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Jörn Walter Veröffentlicht 6 Min. Lesezeit Office & Exchange
Der Windows Papst · Exchange Server · 03.10.2026

Exchange Server: V2-Sicherheitsupdates schließen CVE-2026-96940 – KB5129955 ist aufgeklärt

Microsoft hat zum 2. Oktober 2026 Sicherheitsupdates für Microsoft Exchange Server 2016, Exchange Server 2019 und Exchange Server SE veröffentlicht. Sie beheben die Elevation-of-Privilege-Schwachstelle CVE-2026-96940 (CVSS 8.8). Damit klärt sich auch die Frage, die wir hier vor einigen Stunden aufgeworfen hatten: Was hat es mit dem Update KB5129955 auf sich, das plötzlich im WSUS auftauchte?

Die Auflösung: KB5129955 ist legitim

Am 1. Oktober 2026 verteilte Microsoft über Windows Update und WSUS ein Update für Exchange Server SE mit der Nummer KB5129955 – ohne Ankündigung im Exchange Team Blog, ohne Support-Artikel, ohne Hinweis auf behobene Schwachstellen. Für Administratoren ist das eine unangenehme Situation: Ein unangekündigtes Update für einen der am häufigsten angegriffenen Serverdienste genehmigt man nicht blind.

Inzwischen ist klar: KB5129955 ist das „Security Update for Exchange Server SE RTM SU10v2“, also eine zweite Fassung des September-Updates. Laut Exchange-Team besteht der einzige Unterschied zur ursprünglichen September-Version darin, dass der Fix für CVE-2026-96940 hinzugekommen ist. Das Update ersetzt damit das September-SU und kann im WSUS freigegeben werden.

Kurz gesagt: Wer KB5129955 im WSUS zurückgehalten hat, hat richtig gehandelt – und kann es jetzt freigeben. Ungewöhnlich war nur die Reihenfolge: Die Verteilung lief an, bevor die offizielle Ankündigung erschien.

Die Schwachstelle CVE-2026-96940

Bei CVE-2026-96940 handelt es sich um eine Rechteausweitung aufgrund unzureichender Autorisierungsprüfung in Exchange Server. Ein bereits angemeldeter Angreifer kann seine Rechte über das Netzwerk ausweiten. Berichten zufolge geht es dabei um den Zugriff auf fremde Postfächer. Betroffen sind ausschließlich lokale Exchange-Server; Exchange Online ist laut Microsoft bereits geschützt.

Merkmal Wert
Typ Elevation of Privilege (unzureichende Autorisierung)
CVSS 3.1 8.8 – AV:N/AC:L/PR:L/UI:N/S:U/C:H/I:H/A:H
Voraussetzung Gültige Anmeldung mit geringen Rechten, keine Benutzerinteraktion
Auswirkung Hoch für Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit
Ausnutzung (Stand 02.10.2026) Kein öffentlicher Exploit bekannt, nicht im CISA-KEV-Katalog

Die Hürde „angemeldeter Benutzer“ sollte niemanden beruhigen. Ein einziges per Phishing übernommenes Konto oder ein kompromittierter Client genügt als Ausgangspunkt. Gerade bei Exchange haben die vergangenen Jahre gezeigt, wie schnell nach Veröffentlichung eines Patches funktionierende Angriffe entstehen.

Updates und Ziel-Builds

Produkt Update Build nach Installation Bezug
Exchange Server SE RTM KB5129955 15.2.2562.53 Download, Windows Update / WSUS
Exchange Server 2019 CU15 KB5129956 15.2.1748.53 nur mit ESU
Exchange Server 2019 CU14 KB5129957 15.2.1544.48 nur mit ESU
Exchange Server 2016 CU23 KB5129958 15.1.2507.75 nur mit ESU
Exchange 2016 und 2019: Beide Versionen sind aus dem Support. Die Updates gibt es nur im kostenpflichtigen ESU-Programm, das Updates bis Oktober 2026 abdeckt. Ohne ESU bleibt CVE-2026-96940 auf diesen Servern offen – und das Zeitfenster für den Umstieg auf Exchange Server SE schließt sich jetzt endgültig.

Umsetzung in der Praxis

1. Bestand prüfen

AdminDisplayVersion zeigt nur das Cumulative Update, nicht das installierte Security Update. Maßgeblich ist die Dateiversion von ExSetup.exe. Das folgende Skript prüft alle Exchange-Server der Organisation aus der Exchange Management Shell:

# Gepatchte Builds für CVE-2026-96940 (Schlüssel = Major.Minor.Build des CU)
$fixed = @{
    '15.2.2562' = [version]'15.2.2562.53'   # Exchange SE RTM   - KB5129955
    '15.2.1748' = [version]'15.2.1748.53'   # Exchange 2019 CU15 - KB5129956
    '15.2.1544' = [version]'15.2.1544.48'   # Exchange 2019 CU14 - KB5129957
    '15.1.2507' = [version]'15.1.2507.75'   # Exchange 2016 CU23 - KB5129958
}

Get-ExchangeServer | Sort-Object Name | ForEach-Object {
    $srv = $_.Fqdn
    $raw = Invoke-Command -ComputerName $srv -ScriptBlock {
        (Get-Command ExSetup.exe).FileVersionInfo.FileVersion
    }
    $ver = [version]$raw
    $key = '{0}.{1}.{2}' -f $ver.Major, $ver.Minor, $ver.Build

    $status = if (-not $fixed.ContainsKey($key)) { 'CU nicht unterstützt - zuerst CU aktualisieren' }
              elseif ($ver -ge $fixed[$key])      { 'geschützt' }
              else                                { 'UPDATE FEHLT' }

    [pscustomobject]@{ Server = $_.Name; Build = $ver; Status = $status }
} | Format-Table -AutoSize

Alternativ liefert das Exchange Server Health Checker-Skript von Microsoft neben dem Build-Stand zahlreiche weitere Konfigurationsbefunde. Microsoft empfiehlt, es vor der Installation auszuführen, um Server mit Rückstand zu finden.

2. Update freigeben bzw. installieren

Im WSUS erscheint das Update für Exchange SE als „Security Update for Exchange Server SE RTM SU10v2 (KB5129955)“ und kann freigegeben werden. Bei manueller Installation gilt wie immer: Das Paket aus einer erhöhten Eingabeaufforderung starten, nicht per Doppelklick – sonst bricht das Setup gern unvollständig ab und lässt Dienste deaktiviert zurück. In einer DAG die Server nacheinander in den Wartungsmodus versetzen und aktualisieren.

3. Nach der Installation

# Nach dem Neustart: Laufen alle benötigten Exchange-Dienste?
Test-ServiceHealth | Where-Object { $_.ServicesNotRunning } |
    Select-Object Role, ServicesNotRunning

# Automatisch startende Exchange-Dienste, die nicht laufen
Get-Service MSExchange* |
    Where-Object { $_.StartType -eq 'Automatic' -and $_.Status -ne 'Running' }

Anschließend das Prüfskript aus Schritt 1 erneut ausführen – erst wenn alle Server „geschützt“ melden, ist das Thema erledigt.

Fallstricke

Situation Was zu tun ist
Compliance-Prüfung per Scan Cab Microsoft hat die September-Scan-Cab am 2. Oktober um 18:30 Uhr PDT (3. Oktober, 03:30 Uhr MESZ) aktualisiert. Wer sie vorher bezogen hat, muss sie neu laden und verteilen – sonst erkennt die Prüfung das V2-Update nicht.
Das September-SU ist bereits installiert Reicht nicht. Der Fix für CVE-2026-96940 steckt nur in der V2-Fassung – sie muss zusätzlich installiert werden.
Server läuft auf einem älteren CU Security Updates gibt es nur für die oben genannten CUs. Ältere Stände zuerst auf das aktuelle CU bringen.
Exchange 2016/2019 ohne ESU Kein Patch verfügbar. Bis zur Migration auf Exchange SE: Erreichbarkeit aus dem Internet minimieren, Anmeldungen überwachen, MFA für alle Zugänge vor dem Exchange erzwingen.
Hybrid-Umgebung Exchange Online ist geschützt – der lokale Hybrid- bzw. Verwaltungsserver aber nicht. Auch er muss aktualisiert werden.

Compliance-Bezug

Im BSI IT-Grundschutz sind die Bausteine APP.5.2 Microsoft Exchange und Outlook sowie OPS.1.1.3 Patch- und Änderungsmanagement einschlägig. Unter NIS2 fällt das zeitnahe Schließen bekannter Schwachstellen unter Art. 21 Abs. 2 lit. e (Sicherheit bei Wartung einschließlich Umgang mit Schwachstellen). Der Betrieb von Exchange 2016/2019 ohne ESU ist mit diesen Anforderungen kaum noch zu begründen. In den CIS Controls passt Control 7 (kontinuierliches Schwachstellenmanagement). Dokumentieren Sie Freigabe, Installation und Nachprüfung – gerade bei einem Update, das zunächst ohne Ankündigung erschien, ist der Nachweis der bewussten Entscheidung wertvoll.

Fazit

Das Rätsel um KB5129955 ist gelöst: Es handelt sich um das reguläre V2-Sicherheitsupdate für Exchange Server SE, das CVE-2026-96940 schließt. Freigeben, installieren, Build prüfen – und zwar zeitnah, denn eine Rechteausweitung mit CVSS 8.8, die nur ein normales Benutzerkonto voraussetzt, ist für Angreifer attraktiv. Wer noch Exchange 2016 oder 2019 ohne ESU betreibt, bekommt mit dieser Lücke ein weiteres Argument für die Migration auf Exchange SE geliefert.

Passende ISW-Tools

ISW CVE Vulnerability Scanner – erkennt verwundbare Softwarestände auf mehreren Servern über CPE-Zuordnung.

ISW Windows Patch Compliance Analyzer – Update-Inventar und Compliance-Berichte für Ihre Windows-Server.

ISW Security Advisory Board – Security Advisories mit Asset-Watchlist im Blick behalten.

Porträt Jörn Walter

Jörn Walter

Inhaber von IT-Service Walter in Euskirchen, betreut Windows-Umgebungen von Unternehmen und entwickelt die ISW-ADTools.

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