Erst sehen, dann erzwingen: SMB sicher härten – ohne dass etwas wegbricht
SMB1 abschalten, einen Mindest-Dialekt erzwingen, die Dateidienste härten – das steht auf praktisch jeder Maßnahmenliste. Die Theorie ist klar. Die Praxis sieht oft anders aus: Kaum ist die Vorgabe ausgerollt, meldet sich die Buchhaltung, weil das alte Multifunktionsgerät nicht mehr scannt, oder ein Fachverfahren verliert die Verbindung zum Server. Der Grund ist fast immer derselbe – niemand wusste vorher, welche Verbindung auf der Strecke bleibt.
Genau diese Lücke schließt der ISW SMB Dialect Auditor: Er zeigt vor der Härtung, welche aktiven SMB-Verbindungen ein erzwungener Mindest-Dialekt oder das Abschalten von SMB1 kappen würde – und setzt die Härtung anschließend abgesichert und protokolliert um.
Das Problem: Härten im Blindflug
Wer SMB härtet, greift an einer empfindlichen Stelle ein. Alte Clients, Embedded-Geräte, Drucker/Scanner, Backup-Agenten oder Fachanwendungen sprechen häufig noch ältere SMB-Dialekte – im schlimmsten Fall sogar SMB1. Schaltet man diese ab, ohne die Lage zu kennen, wird aus einer Sicherheitsmaßnahme schnell ein Produktionsausfall. Und die unangenehmste Wahrheit dabei: SMB1-Clients tauchen in den normalen Sitzungslisten oft gar nicht auf.
Was das Tool macht
Der Clou steckt im Vorgehen: Die Analyse läuft rein lesend über WinRM (Port 5985/5986) und ist damit unabhängig von SMB selbst. Jede Verbindung unterhalb der gewählten Schwelle wird rot als „WÜRDE BRECHEN” markiert – inklusive SMB1. Ein Ampel-Banner fasst das Ergebnis zusammen: grün, wenn alles über der Schwelle liegt, rot, sobald beim Erzwingen etwas abreißen würde.
Der blinde Fleck: SMB1 sichtbar machen
Damit Windows SMB1-Zugriffe überhaupt protokolliert (Ereignis 3000), muss auf dem Server das SMB1-Audit aktiv sein. Ein Einzeiler genügt:
Set-SmbServerConfiguration -AuditSmb1Access $trueAnschließend listet der Auditor im eigenen Reiter „SMB1-Clients” Server, Client, Anzahl der Zugriffe und den Zeitpunkt des letzten Zugriffs. Erst damit wird aus „wir haben vermutlich kein SMB1 mehr” ein belastbares „wir wissen es”.
Härtung – bewusst und reversibel gedacht
Wer prüfen kann, soll auch durchsetzen können – aber kontrolliert. Der Auditor bietet bis zu drei einzeln wählbare Aktionen: Mindest-Dialekt setzen (Smb2DialectMin), SMB1 deaktivieren und SMB2/3 aktivieren. Zielhosts werden ausgewählt, die Anwendung muss mit dem getippten Wort „ANWENDEN” und einer zweiten Rückfrage bestätigt werden, und jede Aktion wird mit Vorher-/Nachher-Wert protokolliert.

