Sechs Wochen bis zum 14. Oktober 2026: die Abarbeitungsliste

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Sechs Wochen bis zum 14. Oktober 2026: die Abarbeitungsliste

Serverbetriebssysteme, Exchange-ESU, Office und ein Windows-11-Servicing-Ende fallen auf denselben Tag. Kein Erklärstück – eine Liste zum Abhaken, mit Inventarskript.
29. August 2026  ·  Lesezeit ca. 8 Minuten  ·  IT-Service Walter
LifecycleWindows ServerExchangeMigration

Der 14. Oktober 2026 ist der dichteste Stichtag dieses Jahres. Wer erst im Oktober anfängt zu prüfen, hat keine Zeit mehr für eine Migration – wohl aber noch für die Entscheidung, wie er mit dem entstehenden Risiko umgeht. Deshalb hier die reine Abarbeitungsliste, sechs Wochen vorher.

Fünf Stichtage an einem Tag heißt nicht fünfmal derselbe Aufwand. Es heißt: fünf verschiedene Projekte, die alle jetzt eine Entscheidung brauchen.

Was genau an diesem Tag passiert

ProduktWas endetKonsequenzDringlichkeit
Windows Server 2012 / 2012 R2Drittes und letztes ESU-JahrDanach gibt es keine Sicherheitsupdates mehr – auch nicht gegen Bezahlung.KRITISCH
Exchange Server 2016 / 2019ESU-Periode 2Nach zwei Verlängerungen ist endgültig Schluss. Ein Exchange ohne Sicherheitsupdates am Perimeter ist nicht verantwortbar.KRITISCH
Windows Server 2022Mainstream-SupportWechsel in den Extended Support: weiterhin kostenlose Sicherheitsupdates, aber keine neuen Funktionen mehr. Kein Notfall, aber ein Planungssignal.PLANUNG
Windows 11 24H2 Home und ProServicing-ZeitraumEnterprise- und Education-Editionen laufen länger. Prüfen Sie, welche Edition Ihre Geräte tatsächlich tragen – das ist selten einheitlich.HOCH
Office 2021 (inkl. LTSC)SupportKein ESU-Programm verfügbar. Danach dauerhaft ungepatchte Office-Anwendungen.HOCH
Die beiden roten Zeilen sind keine Verhandlungssache
Ein Windows Server 2012 R2 und ein Exchange 2016 ohne Sicherheitsupdates sind ab dem 15. Oktober dauerhaft offene Systeme. Beide sind zusätzlich ein Problem für Ihre Cyberversicherung: Der Betrieb nach öffentlich bekanntem Supportende gilt als bewusst eingegangenes, vermeidbares Risiko und kann sich im Schadensfall auf die Regulierung auswirken.

Schritt 1: Bestand ermitteln – nicht schätzen

Die folgende Abfrage liest alle aktiven Serverkonten aus dem AD, ordnet ihnen den passenden Stichtag zu, berechnet die verbleibenden Tage und vergibt eine Ampel. Der Filter auf die letzten 45 Tage Anmeldung sortiert Karteileichen aus – die gehören in ein eigenes Aufräumprojekt, nicht in diese Liste.

PowerShell – Serverbestand mit Stichtagen und Ampel
# ISW - Stichtagsliste: Was faellt am 14.10.2026 aus dem Support?
[Console]::OutputEncoding = [System.Text.Encoding]::UTF8
Import-Module ActiveDirectory

$regeln = @(
  @{ Muster='*Server 2012 R2*'; Stichtag='2026-10-13'; Hinweis='ESU Jahr 3 endet - danach keine Updates mehr' }
  @{ Muster='*Server 2012*';    Stichtag='2026-10-13'; Hinweis='ESU Jahr 3 endet - danach keine Updates mehr' }
  @{ Muster='*Server 2016*';    Stichtag='2027-01-12'; Hinweis='Extended Support endet' }
  @{ Muster='*Server 2019*';    Stichtag='2029-01-09'; Hinweis='Extended Support endet' }
  @{ Muster='*Server 2022*';    Stichtag='2026-10-14'; Hinweis='Wechsel in Extended Support - nur noch Sicherheitsupdates' }
  @{ Muster='*Server 2025*';    Stichtag='2029-10-09'; Hinweis='Mainstream laeuft' }
)

$heute = Get-Date
Get-ADComputer -Filter 'Enabled -eq $true' -Properties OperatingSystem,
                OperatingSystemVersion, LastLogonDate, DNSHostName |
  Where-Object { $_.OperatingSystem -like '*Server*' -and
                 $_.LastLogonDate -gt $heute.AddDays(-45) } |
  ForEach-Object {
      $os = $_.OperatingSystem
      $r  = $regeln | Where-Object { $os -like $_.Muster } | Select-Object -First 1
      $tage = if ($r) { [int](([datetime]$r.Stichtag) - $heute).TotalDays } else { $null }
      [pscustomobject]@{
          Server     = $_.Name
          OS         = $os
          Build      = $_.OperatingSystemVersion
          Stichtag   = if ($r) { $r.Stichtag } else { 'unbekannt - manuell pruefen' }
          TageRest   = $tage
          Ampel      = if     ($null -eq $tage) { 'GRAU'  }
                       elseif ($tage -lt 0)     { 'ROT'   }
                       elseif ($tage -lt 120)   { 'GELB'  }
                       else                     { 'GRUEN' }
          Hinweis    = if ($r) { $r.Hinweis } else { '' }
          LetzteAnm  = $_.LastLogonDate
      }
  } | Sort-Object TageRest | Format-Table -AutoSize

Für die Clientseite genügt eine Gruppierung nach Betriebssystem und Version. Entscheidend ist hier die Edition, denn Home und Pro fallen am 14. Oktober aus dem Servicing, Enterprise und Education nicht:

PowerShell – Clientbestand nach Betriebssystem gruppieren
# Clients: Windows 11 24H2 Home/Pro laeuft am 14.10.2026 aus dem Servicing
Get-ADComputer -Filter 'Enabled -eq $true' `
    -Properties OperatingSystem, OperatingSystemVersion, LastLogonDate |
  Where-Object { $_.OperatingSystem -like '*Windows 1*' -and
                 $_.OperatingSystem -notlike '*Server*' -and
                 $_.LastLogonDate -gt (Get-Date).AddDays(-45) } |
  Group-Object OperatingSystem, OperatingSystemVersion |
  Select-Object @{n='Betriebssystem';e={$_.Name}}, Count |
  Sort-Object Count -Descending
Zur Aussagekraft der AD-Attribute
OperatingSystem und OperatingSystemVersion werden vom Client selbst geschrieben und können veralten – besonders bei Geräten, die selten im internen Netz sind. Nutzen Sie die Liste als Einstieg und gleichen Sie sie mit Ihrem Inventarwerkzeug oder Intune ab, bevor Sie daraus eine Budgetzahl machen.

Schritt 2: Für jede rote Zeile eine Entscheidung treffen

Sechs Wochen reichen für keine große Migration. Sie reichen für eine dokumentierte Entscheidung – und genau die brauchen Sie, gegenüber der Geschäftsleitung wie gegenüber dem Versicherer.

OptionWann sinnvollWas jetzt zu tun ist
Migration bis zum StichtagWenn Zielsystem und Anwendung bereits bereitstehenTermin festnageln, Rückfallebene definieren, Anwender informieren
Migration kurz nach dem StichtagWenn das Projekt läuft, aber nicht rechtzeitig fertig wirdÜbergangszeitraum kompensieren: Netzsegmentierung, Zugriffsbeschränkung, verschärfte Überwachung – schriftlich
Isolieren und weiterbetreibenBranchenanwendung ohne Nachfolger, Ersatz erst in ArbeitSystem aus dem Internet nehmen, Zugriff auf benannte Konten begrenzen, Risiko formal von der Geschäftsleitung akzeptieren lassen
AußerbetriebnahmeSystem wird nur noch für Altdaten gebrauchtDaten exportieren, Zugriffsbedarf klären, Server abschalten statt weiterlaufen lassen
Die Sechs-Wochen-Liste
  • Inventar ausführen und ausdrucken – die Ampelliste ist das Arbeitsdokument.
  • Jede rote Zeile einer der vier Optionen zuordnen, mit Namen und Datum.
  • Exchange gesondert betrachten: Perimeter-System mit höchster Priorität.
  • Windows-11-Editionen prüfen – Home-Geräte im Firmennetz sind ohnehin ein eigenes Thema.
  • Office-2021-Installationen zählen; ohne ESU-Option ist die Entscheidung hier binär.
  • Server-2016-Systeme bereits jetzt erfassen – deren Stichtag ist der 12. Januar 2027 und damit die nächste Welle.
  • Ergebnis als einseitige Übersicht an die Geschäftsleitung, mit Risiko und Kosten je Option.
Passendes Werkzeug
ISW AD Optimization Reporter & ISW CVE Vulnerability Scanner
Bestand und Risiko in einem Bericht. Der Optimization Reporter bewertet den Zustand Ihrer Domäne inklusive veralteter Betriebssysteme nach Schweregrad, der CVE Vulnerability Scanner ordnet den betroffenen Systemen die offenen Schwachstellen zu. Beide liefern den Bericht als HTML oder PDF – auf Wunsch automatisch per Mail.

Zum Produkt auf isw-adtools.de

Fazit
Der 14. Oktober bringt keine Überraschungen – alle Termine stehen seit Jahren fest. Was er bringt, ist eine Häufung, die sich nicht mehr durch Umpriorisieren auflösen lässt. Führen Sie das Inventar diese Woche aus, treffen Sie für jede rote Zeile eine dokumentierte Entscheidung, und planen Sie die Server-2016-Welle vom Januar 2027 gleich mit ein. Der Aufwand für die Bestandsaufnahme liegt bei einer Stunde. Der Aufwand für einen ungepatchten Exchange nach einem Vorfall liegt bei einigen Wochen.
Über den Autor: Joern Walter betreibt IT-Service Walter in Euskirchen, betreut rund 400 Kundendomänen und entwickelt die ISW-ADTools für Windows-Administration, Sicherheit und Compliance. Fachbeiträge erscheinen als „Der Windows Papst“.